Wichtige Einblicke:
- Machael Saylor stellte ein fünfstufiges Bitcoin-Kapitalmodell vor, das als Roadmap für Strategy konzipiert wurde.
- Das Konzept betrachtet die Volatilität von Bitcoin als Merkmal und nicht als Mangel.
Michael Saylor stellte ein fünfstufiges, auf Bitcoin basierendes Kapitalmodell vor. Am 16. Juni veröffentlichte er seine bislang ausführlichste Abhandlung über die finanzielle Zukunft von Bitcoin. Er erläuterte, dass Bitcoin als Basisebene für neue Kapitalmarktprodukte dienen solle, die die Bereiche Kredit, Währung, Rendite und Eigenkapital abdecken.
Der Beitrag wurde auf X veröffentlicht und positionierte Bitcoin nicht nur als Wertanlage, sondern als Grundstoff für ein modernes Finanzsystem. Saylor schrieb: „Bitcoin ist digitales Kapital, das Fundament der modernen digitalen Wirtschaft.“
Michael Saylor erläutert die fünf Ebenen des Bitcoin-Kapitals

Saylors Rahmenkonzept gliedert sich in fünf Ebenen. Die erste Ebene bildet Bitcoin selbst, ein „digitales Kapital“. Die zweite Ebene ist der digitale Kredit, ein Instrument, das Bitcoin nutzt, um eine vorhersehbare Rendite zu erzielen. Strategy bietet hierfür bereits ein Produkt an: die STRC-Perpetual-Vorzugsaktie.
Die dritte Ebene bildet die digitale Währung. Michael Saylor beschrieb sie als ein wertstabiles Produkt, das digitale Kredite mit bargeldähnlichen Vermögenswerten wie Staatsanleihen, Geldmarktfonds und Repo-Geschäften kombiniert. Digitale Kredite bieten Rendite, während Bargeld für Stabilität sorgt. Seine erwartete Renditespanne für diese Ebene liegt bei 6 % bis 8 % nach Abzug von Gebühren und Risikopuffern.
Die vierte Ebene ist die digitale Rendite, ein ertragsbringendes Produkt, das aus der Volatilität von Bitcoin entsteht. Und die fünfte Ebene ist das digitale Eigenkapital, d. h. Stammaktien von Unternehmen, deren Wert an die langfristige Wertsteigerung von Bitcoin gekoppelt ist. Die MSTR-Aktie von Strategy selbst ist ein praktisches Beispiel hierfür.
Michael Saylor sagt, die Volatilität von Bitcoin schaffe Rendite
Michael Saylor beschrieb in seinem X-Beitrag die Produktarchitektur seines Unternehmens, die als Theorie strukturiert war. Seiner Ansicht nach ist die Volatilität von Bitcoin einer der Hauptgründe, warum Investoren zögern, in Bitcoin zu investieren. Diese Volatilität ist jedoch kein Nachteil. Sie ist vielmehr ein Vorteil, da „Digital Credit“ diese Volatilität auffängt und in Rendite umwandelt. Die digitale Währung nutzt diese Rendite dann als Sicherheitspolster.
Bilanz der Strategie und Umsetzung der Anlagehypothese
Laut der 8-K-Meldung hält Strategy zum 14. Juni 2026 846.842 BTC, die zu Gesamtkosten von rund 64,07 Milliarden US-Dollar erworben wurden. Allein in diesem Monat nahm das Unternehmen durch Aktienverkäufe 209 Millionen US-Dollar ein, um 1.587 BTC für 100 Millionen US-Dollar zu einem Durchschnittspreis von 63.024 US-Dollar pro BTC zu erwerben. Die STRC-Vorzugsaktien von Strategy werfen derzeit eine jährliche Dividende von 11,50 % ab, die der Vorstand Ende Mai zum vierten Mal in Folge unverändert belassen hat.
Der Kurs der MSTR-Aktie ist gegenüber seinem 52-Wochen-Hoch um 73 % gefallen. Er notiert derzeit bei rund 122 US-Dollar, während das 52-Wochen-Hoch bei 457,22 US-Dollar lag. Strategy verzeichnete zudem im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 12,54 Milliarden US-Dollar, der in erster Linie auf unrealisierte Verluste bei Bitcoin zurückzuführen ist.
Anfang dieses Monats erklärte CEO Phong Le: „Digital Credit, das von STRC hervorgehoben wurde, war ein großer Erfolg“, und deutete an, dass die Akzeptanz von Bitcoin im Jahr 2026 trotz des Marktdrucks weiter zunimmt.

Strategy ist in diesem Bereich nicht mehr allein. CoinGecko erfasst 188 börsennotierte Unternehmen und Institutionen, die Bitcoin in ihren Bilanzen führen. Das ergibt insgesamt 1.898.591 BTC im Wert von rund 125 Milliarden US-Dollar, was 9 % des gesamten Bitcoin-Angebots entspricht.
Strategy ist nach wie vor mit großem Abstand der größte Anteilseigner. Das von Michael Saylor im Jahr 2020 eingeführte Corporate-Treasury-Modell hat sich seitdem auf Bergbauunternehmen und SPAC-gestützte Unternehmen ausgeweitet, die alle Varianten derselben Logik mit unterschiedlicher Risikobereitschaft anwenden.
Wie geht es weiter?
Michael Saylor bezifferte das weltweite Gesamtvermögen auf etwa 1.000 Billionen US-Dollar, wobei Bitcoin derzeit rund 0,1 % dieses Gesamtbetrags ausmacht. Seinen Schätzungen zufolge könnte sich der adressierbare Markt für Bitcoin erheblich vergrößern, wenn institutionelle Vermögensverwalter und Banken, die Vermögenswerte in Höhe von 156 Billionen Dollar bzw. 200 Billionen Dollar verwalten, über strukturierte Produkte statt durch direktes Engagement Zugang zu Bitcoin erhalten könnten.
Der Wettbewerb um die Entwicklung dieser Produkte ist längst keine theoretische Angelegenheit mehr. Der Bitcoin-Income-ETF von BlackRock wird bereits gehandelt. Goldman Sachs hat am 14. April einen Antrag für seine Version, den „Bitcoin Premium Income ETF“, gestellt. Beide Produkte sind darauf ausgelegt, genau das zu leisten, was Saylor in den Ebenen zwei und drei beschreibt: die Volatilität von Bitcoin in eine stetige, beständige Einnahmequelle umzuwandeln.

Unabhängig davon, ob diese Expansion durch die Produkte von Strategy, die Ertrags-ETFs von BlackRock oder die bevorstehenden Bitcoin-Ertrags-ETFs von Goldman vorangetrieben wird. Saylors Beitrag auf X hat deutlich gemacht, dass die strukturelle Logik, die er seit 2020 entwickelt hat – Bitcoin als Kapital und nicht nur als Währung – nicht mehr auf sich allein gestellt ist. Die institutionelle Infrastruktur baut sich nach und nach um dieses Konzept herum auf.






