Wichtige Einblicke:
- Das WSJ stellte fest, dass viele Videos über Gewinne auf dem Polymarket-Prognosemarkt Gewinne zeigten, die es nie gegeben hatte.
- Bezahlte Content-Ersteller sollen Testmärkte genutzt haben, um erfolgreiche Wetten zu simulieren.
- Polymarket sieht sich im Zusammenhang mit einem weiteren Fall von Insiderhandel einer erneuten Überprüfung ausgesetzt.
Polymarket steht im Rampenlicht, nachdem das „Wall Street Journal“ berichtet hatte, dass die Prognosemarkt-Plattform Content-Ersteller dafür bezahlt habe, Videos hochzuladen, die falsche Wettgewinne zeigten.
In dem Bericht wurden Hunderte von Social-Media-Beiträgen untersucht, in denen angeblich gewinnbringende Wetten und hohe Auszahlungen vorgestellt wurden. Dies wirft zudem Fragen darüber auf, inwiefern Marketinginhalte des Prognosemarktes mit der Plattform zusammenhängen, auf der sie erstellt und verbreitet wurden.
Laut dem WSJ untersuchte das Team 1.105 Videos, die von 10 Content-Erstellern zwischen Dezember 2025 und Mitte Mai 2026 veröffentlicht wurden. Von diesen Videos basierten 778 auf Wettaktivitäten im Zusammenhang mit Polymarket.
Die Untersuchung ergab, dass mehrere Videos nicht mit den tatsächlichen Marktergebnissen übereinstimmten. In einem Fall schien ein Content-Ersteller von einer Wette darauf zu profitieren, ob Präsident Donald Trump das Wort „McDonald’s“ aussprechen würde.
Allerdings stammten die im Video verwendeten Aufnahmen Berichten zufolge aus einem Zeitraum von zwei Monaten vor dem Zeitpunkt, zu dem die Wette angeblich abgeschlossen wurde.

Dem Bericht zufolge hätte mehr als die Hälfte der Videos, in denen gewonnene Wetten gezeigt wurden, auf der tatsächlichen Plattform zu Verlusten geführt. Von der Publikation ausgewertete öffentliche Marktdaten zeigten, dass mehr als 50 Konten dieselbe Wette im Zusammenhang mit Trump platziert und dabei Geld verloren hatten.
Das WSJ berichtete zudem, dass einige Entwickler anstelle der Live-Plattform eine als „Poiymarket“ bekannte Testumgebung nutzten. Die Website soll das Erscheinungsbild des Prognosemarktes widerspiegeln und als offizielle Testumgebung dienen.
In insgesamt 118 Videos feierten die Videokünstler angebliche Gewinne in Höhe von rund 900.000 US-Dollar. Den Ermittlungsergebnissen zufolge hätten dieselben Wetten Verluste von über 166.000 US-Dollar verursacht.
WSJ berichtet ausführlich über Vergütungen für Content-Ersteller und das Werbenetzwerk
Der Bericht ergab, dass die Content-Ersteller für die Produktion von Inhalten zwischen 2.000 und 3.000 US-Dollar pro Monat erhielten. Mehrere von der Publikation befragte Content-Ersteller gaben an, dass sie ihre Videos vor der Veröffentlichung im Internet zur Überprüfung bei Polymarket eingereicht hätten.
Diesen Berichten zufolge wurden die Content-Ersteller manchmal gebeten, Videos neu zu drehen, wenn der Inhalt nicht überzeugend oder nicht ansprechend genug wirkte. Einige Content-Ersteller gaben zudem an, sie seien angewiesen worden, nicht offenzulegen, dass sie Zahlungen im Zusammenhang mit den Inhalten erhalten hätten.
Das WSJ berichtete ferner, dass vom Prognosemarkt beauftragte Marketing-Dienstleister dazu beitrugen, die Videos auf verschiedenen Social-Media-Plattformen zu verbreiten. Die Zeitung gab an, dass die Inhalte mehr als 140 Millionen Aufrufe erzielten, nachdem sie über ein Netzwerk von Konten verbreitet worden waren.
Polymarket erklärte gegenüber der Zeitung, dass es sich weiterhin für die Aufrechterhaltung eines korrekten, fairen und transparenten Marktplatzes einsetzt. Das Unternehmen teilte zudem mit, dass es eine umfassende Überprüfung seiner Werbeinhalte plane.
In dem Bericht wurde darauf hingewiesen, dass sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Japan Vorschriften bestehen, wonach in Werbeinhalten geschäftliche Beziehungen offengelegt werden müssen. Es bleiben jedoch Fragen offen, inwieweit die bestehenden Vorschriften auf bestimmte Formen von Online-Werbemaßnahmen anwendbar sind.
Ein weiterer Fall von Insiderwetten bei Polymarket sorgt für Aufsehen
Die Vorwürfe kamen Monate, nachdem die Behörden Anklage gegen einen Google-Mitarbeiter wegen Wettaktivitäten auf Polymarket erhoben hatten, ans Licht. Die Bundesstaatsanwaltschaft in New York warf der Google-Ingenieurin Michele Spagnuolo vor, interne Unternehmensinformationen genutzt zu haben, um gewinnbringende Wetten abzuschließen.
Den Behörden zufolge nutzte Spagnuolo vertrauliche Marketinginformationen, die er im Rahmen seiner Tätigkeit bei Google erhalten hatte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, zwischen Oktober und Dezember 2025 Wetten im Wert von rund 2,7 Millionen Dollar im Zusammenhang mit Google platziert zu haben.
Nach Angaben der US-Staatsanwaltschaft wurden mit diesen Wetten Gewinne in Höhe von mehr als 1 Million US-Dollar erzielt. Die Ermittler konnten die für die Wetten genutzten Kryptowährungskonten anhand von Identifikationsdaten mit Spagnuolo in Verbindung bringen.
Google teilte mit, dass es mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeite und den Mitarbeiter vom Dienst suspendiert habe. Auch Polymarket erklärte, dass es während der Ermittlungen eng mit den Behörden zusammengearbeitet habe.
Das Unternehmen wies darauf hin, dass Blockchain-Transaktionen weiterhin transparent und nachvollziehbar sind, sodass Ermittler die Aktivitäten im Zusammenhang mit verdächtigen Konten nachverfolgen können.






